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Leistungsbereitschaft und Spielintelligenz gefragt

Hier mal zur Abwechslung ein Bericht, der im Pforzheimer Kurier veröffentlicht wurde und die Ansicht eines Außenstehenden wiedergibt:

In verschiedenen Gruppen stehen mit Helmen und mächtiger Schutzausrüstung ausgestattete American Footballer der „Pforzheim Wilddogs“ scheinbar unkoordiniert auf dem Kunstrasenfeld der Sportschule Schöneck. Während die einen werfen, versuchen die anderen den ellipsenförmigen Spielball abzufangen. Dritte stoßen mit den Köpfen gegeneinander. Was im ersten Moment wie undurchsichtiges Chaos ausschaut, hat bei näherer Betrachtung Hand und Fuß. Wie Tobias Krammerbauer, Mitarbeiter des Pforzheimer Kurier, während seines Besuchs auf dem Durlacher Turmberg feststellte, steckt unglaublich viel Konzept und Taktik hinter dem aus Amerika stammenden Spiel. Der Respekt vor der Merkfähigkeit der Footballer steigt nahezu ins Grenzenlose, als Thomas Zink ein fast 100 Seiten starkes Taktikbuch vorlegt. Auf jedem Blatt ist ein anderer Spielzug in jedem noch so kleinen Detail beschrieben, der von den Akteuren spätestens bis zum Saisonbeginn Ende April auswendig gelernt werden muss. „Macht nur einer etwas falsch, geht der gesamte Spielzug daneben“, erklärt Thomas Zink, technischer Leiter der Wilddogs. „Es bedarf schon einer gewissen Leistungsbereitschaft und Spielintelligenz“, beschreibt Kai Höpfinger das Anforderungsprofil eines guten Footballcracks. Höpfinger hat seit eineinhalb Jahren das Amt des ersten Vorsitzenden inne.

Von ambitionierten Protagonisten gibt es in der ersten Mannschaft, die im Jahr 2008 als Oberliga-Zweiter in die Regionalliga Mitte aufgestiegen ist, gleich eine ganze Menge. 45 an der Zahl, was Mannschaftsstärken von anderen Sportarten deutlich überschreitet. „Auch deshalb war es wichtig, die Spieler vier Tage lang in einem Trainingslager zusammenzuführen, um sie als Einheit zusammenzuschweißen“, erklärt Kai Höpfinger die teambildende Maßnahme. In der vergangenen Spielzeit gab es einige Akteure, die herausragten. Etwa der bereits erwähnte Thomas Zink, der zum wertvollsten Spieler des Teams gewählt wurde. Oder Landry Ngambia als bester Angreifer, während Manuel Nitschke die gleiche Auszeichnung für die Verteidigungsarbeit bekam. Talent Arno Pitters wurde zum „Rookie of the year“ gekürt.

Chefcoach der Wilddogs ist weiter Dominic Creek, der Ende der neunziger Jahre das Team schon einmal betreut hatte. Weiter zum Trainerstab gehören als Verteidigungscoach Kai Driesnack und Marc Waidner, der aus Ravensburg in die Pforzheimer Gegend gezogen war. Ansonsten beträgt der Einzugsradius der Aktiven an die 100 Kilometer. Ihre Heimpartien tragen die Wilddogs nach wie vor auf dem Sportgelände des VfB Pforzheim am „Riebergle“ aus. Zu typisch amerikanischem Fast Food und lautstarker Musik heizt da der Stadionsprecher immer dementsprechend mächtig ein. Ganz nach dem Vorbild aus Übersee, wo die Sportart gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde.

Dennoch drängt sich die Frage auf, weshalb man bei derart komplexen Regeln, bei vielen individuellen Ansprüchen an taktisches Verständnis und – zumindest in Deutschland – so wenig medialer Beachtung zweimal die Woche zum Training kommt und bei Spielen in der dritthöchsten Liga sogar bis nach Jena reisen muss, wo die Spieler zehn Euro aus der eigenen Tasche für die Fahrtkosten aufbringen. „Es steckt Enthusiasmus und Herzblut dahinter. Aber seitdem ich Football spiele, bin ich auch außerhalb des Platzes viel ausgeglichener“, schmunzelt Thomas Zink, und Kai Höpfinger fügt noch hinzu: „In keiner anderen Sportart ist für jeden Typ eine Position vorhanden, in der er seine speziellen Fähigkeiten am besten zur Entfaltung bringen kann.“

Nicht von Beginn an spielten und trainierten die Wilddogs in Pforzheim. Es war 1990, als einige American Footballbegeisterte der Badener Greifs beschlossen – allesamt aus der näheren Umgebung von Bretten – sich zu einem eigenen Verein, den Bretten Wilddogs, zusammenzuschließen. In Anlehnung ans Brettener „Hundle“ nannten sich die wagemutigen Initiatoren denn „Wilddogs“, wie Gründungsmitglied Thomas Zink verriet. Durch gezielte Werbung für die in Deutschland wenig verbreitete Sportart und damit zusammenhängender Begeisterung wuchs der Verein stetig. Die Wilddogs erspielten sich gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die Landesliga. Nachdem man auf den Plätzen in Gondelsheim und Rinklingen nicht mehr spielen durfte, ging die Suche nach einer neuen Heimstätte los. Am Riebergle beim VfB Pforzheim wurde man fündig und mittlerweile auch glücklich. Knapp 150 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile. Neben den 50 aktiven Herren sind darunter auch etwa 30 Jugendliche, die in der „Jugend-Aufbauliga“ Punkte durch Erreichen der Endzone erzielen wollen und deshalb fleißig Lauf- und Passspiele einstudieren. Ein Höhepunkt vor dem eigentlichen Rundenstart, der für die Wilddogs gleich mit vier Auswärtspartien beginnt, ist zweifelsohne das Vorbereitungsmatch am 19. April gegen den Bundesligisten aus Schwäbisch Hall auf der heimischen Wilferdinger Höhe, ehe die Punktspiele zu Hause Ende Mai beginnen. Die müssen jedes Mal von fünf Schiedsrichtern geleitet werden. Weiterer jährlicher Höhepunkt ist der von den Wilddogs seit 2005 im September ausgerichtete „Goldtown-Bowl“, wo Teams aus allen Herren Ländern nach Pforzheim reisen.

Alle Football-Interessierten sind zu den Übungseinheiten eingeladen. Während die Jugendlichen donnerstags um 18 Uhr und Samstag ab 14 Uhr auf dem Sportplatz des VfB Pforzheim trainieren, erproben die Aktiven ihre Spielzüge jeden Dienstag und Donnerstag ab 19.30 Uhr – ebenfalls auf dem Sportgelände am Riebergle.

 
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